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Künstlermonographie Staudt

8 Vernissage Künstlermonographie die Wirklichkeit. Es ist insbesondere die Digitalfo- tografie,die er als Grundlage für seine künstlerische Arbeit einsetzt. Je weiter man in diesem Medium ein fotografiertes Bild vergrößert, desto mehr Pi- xelpunkte werden sichtbar. So ergibt sich das Para- doxon, dass das Motiv beim Heranzoomen zuneh- mend unschärfer wird und sich regelrecht„auflöst“. Genau das sind die Effekte im Grenzbereich,die den Künstler interessieren. In den Serien Aspects lotet Staudt seine Versuchs­ anordnungen des Abstrahierens aus. Jeweils einem kleinen Ölgemälde sind vier weitere, digital ver- änderte Motive beigestellt, die sich bedingt durch ein anderes Medium und durch andere technische Voraussetzungen zu einem nach eigenen Gesetzen existierenden Werk etablieren. Während Künstler wie Gerhard Richter die unbegrenzte technische Reproduzierbarkeit derVorlage auf die Einmaligkeit der gemalten Reproduktion begrenzen, versieht Staudt, genau umgekehrt, das fotografierte aber anschließend gemalte, später digital reproduzierte Motiv durch den Filter der Malerei mit neuen Qua- litäten. Die Entdeckung banaler fotografischer Vorgaben und ihre malerische Verwendung ermöglichen Staudt einen Freiraum, den er braucht, um sich von gestalterischen Ordnungen und ikonografischen Bindungen lösen zu können. Besonders der Un- schärfeverlauf am Rand eines gemalten Bildes oder einer Fotografie wird von ihm bevorzugt. „Hast du einen spektakulären Bokeh?“, würde man heute fragen. Bokeh stammt aus dem Japanischen (boke) und bedeutet „verschwommen, unscharf“. Fotografen benutzen den Begriff für den Unschär- feverlauf in einem Bild. Wenn er besonders harmo- nisch verläuft,sprechen sie von einem guten Bokeh. Der Fotograf kann den Unschärfeverlauf aber ge- zielt steuern, am besten über die Blendenöffnung bei einer Spiegelreflexkamera.Je größer die Blende, umso stärker der Effekt. In Beau oder Chaud wird die Nähe zu den Personen und zu den Gegenständen seines Interesses durch Verflüchtigungs- und Anonymitätsstrategien mit »Dame Anglais« 70 x 80 cm Öl/Leinwand 2010 »ohne Titel« 50 x 40 cm Öl/Hartfaser 2010 Abb. S.9 »Chaud« 50 x 50 cm Öl/Leinwand 2005