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Künstlermonographie Bettina Hachmann

11Bettina Hachmann so gemeint? Bettina Hachmann schüttelt den Kopf. Davon hat sie noch nichts gehört. Nichts, das ist für sie die „Abwesenheit von Erwartung“. Also auch die Abwesenheit meiner bildungsbürgerlichen Erwartung, hier eine Bebilderung philosophischer Theoreme vorzufinden. Sagt sie so zwar nicht, dazu ist sie viel zu vornehm, aber ich verstehe trotzdem. Touché! Ich will dennoch nicht aufgeben: Japanische Raku- Tonvasen sind auch so gefertigt, dass beim in die Hand nehmen mehrere Schichten gleichzeitig ertastet werden können. Dieser Vergleich gefällt Frau Hachmann, auch als ich nachtrage, dass in ja- panischen Museen solche Vasen, die nicht selten mehrere 100.000 Euro wert sind, Schulkindern in den Hand gegeben werden, während bei uns über- all nur „Berühren verboten“ steht. Bettina Hach- mann: „Genau. Wie sollen wir großen und kleinen Menschen sonst ein Gefühl für Formen, Materialien entwickeln?“ Unter Frau Hachmanns Künstlerwerkzeugen fin- det sich auch eine Kettensäge, zu deren fachge- rechter Bedienung sie eigens einen Kettensägen- schein erwarb. Damit bearbeitet sie zum Beispiel aus einem abgebrannten Haus stammende Holz- stämme, nachdem sie diese zuvor mit Salzen aus- gewaschen hat. Dies klingt alles sehr martialisch, zerstörend oder gar vernichtend. Aber auch dieser sich zunächst aufdrängende Eindruck täuscht.Bettina Hachmann: „Wenn ich eine Leinwand aufritze und zum Teil auch aufschlitze, geht es mir um Öffnung und Er- weiterung,nicht nur um Zerstörung.“ So näht sie bei einigen ihrerWerke die zunächst zer- rissene Leinwand anschließend wieder zu,heilt das, was zu öffnen war,um den Blick zu erweitern. Darin scheint mir das besondere Geheimnis ihrer Arbeiten zu liegen, die sich jeder vordergründigen Eindeutigkeit entziehen. Es geht um beides zu- gleich: Um die geritzte und die wieder zugenähte Leinwand, um den Horizont der verschwindet und verändert wieder auftaucht oder um das Dunkle, das in die Helligkeit verweist und uns nach dort­

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