Andre Kurenbach ● Vita

 

1970 geboren in Hagen/Westfalen
1985 Entdeckung der Leidenschaft für das Medium Fotografie und erste Gehversuche mit analogen Kleinbildkameras und Dunkelkammertechniken, Mitgliedschaft im VDAV
1989 Abitur; verschiedene Praktika bei Berufsfotografen mit anschließender Abwendung von der Fotografie aus Enttäuschung durch Sachzwänge und ökonomische Konventionen in der klassischen Berufsfotografie
1993 Gesellenprüfung im Tischler-Handwerk
1994 Studium der Baudenkmalpflege in Potsdam Ausbildung in historischen Handwerkstechniken im Centro Europeo del Restauro, Venedig
2000 Meisterprüfung im Tischler-Handwerk
2005 Wiederentdeckung der Fotografie als Ausdrucksform, forciert durch den technologischen Aufschwung der digitalen Fotografie
2012 Beginn der Arbeiten an den Serien Betón.Brut und Curtains (demnächst bei Vernissage – Fotokunst)

 

ZUR SERIE BETÓN.BRUT

Meine Arbeit an der Serie Betón.Brut stellt einen radikalen Bruch mit meiner bisherigen fotografischen Herangehensweise dar:
eine Distanzierung von der gegenständlichen, dokumentarischen Sichtweise hin zur abstrahierenden und reduzierenden wird klar erkennbar.
Die in meiner aktuellen Arbeit präsentierte, von der wunderbaren Architektur P. Zumthors inspirierte formale Einfachheit und die darin enthaltene Konzentration auf Geometrie und Grauwerte beruhigt meine Sinne in einer fordernden Umwelt, in der man das Gefühl hat, immer am Ball bleiben zu müssen.
Alle Dinge um einen herum scheinen unkontrolliert lauter, schneller und oberflächlicher zu werden.
Die gezeigten Orte, die eine geradezu sakrale Ruhe ausstrahlen, bilden einen Fluchtort fern der Hektik und Unübersichtlichkeit, die  Alltag und Beruf häufig mit sich bringen. Ordnung muss hier nicht erzwungen werden – sie ist wie selbstverständlich da. Dabei bildet der rohe Beton (dt. für Betón Brut) in seiner fast reinen Materialität einen Komplementärkontrast zum Werkstoff Holz, mit dem ich mich täglich als Tischler beschäftige – ein Material, das ein Eigenleben hat und bei dem die endgültige Form manchmal geradezu erkämpft werden muss. Hier war bereits die Form, der Beton musste nur noch in sie hinein fließen.
Vermutlich sind es gerade diese Ambivalenzen, die zur Triebfeder für diese Serie wurden.

 

 

PHILOSOPHIE

Die Vielfältigkeit des Mediums Fotografie und der Reichtum an Ausdrucksmöglichkeiten, den sie birgt hat auf mich schon immer eine fast magische Faszination ausgeübt.
Früher habe ich fotografiert, was mir gefällt und auch - das gebe ich heute unumwunden zu - um anderen zu gefallen.
Diese narzistische Seite habe ich abgelegt. Nicht mit Fanfarenstoß und großem Tamtam aber doch von jetzt auf gleich. Ich sage ja nicht, dass ich diese Art der Ausdrucksform nun radikal ablehne. Ich liebe nach wie vor das schöne Bild, werde wohl auch weiterhin die klassischen Motive suchen und versuchen, meinen Mitmenschen und mir damit Freude zu bereiten.
Doch liegt in der Fotografie, wie in anderen künstlerischen Ausdrucksformen wie Malerei, Holzbildhauerei und vielen mehr, eben noch diese andere Dimension. Nämlich die der Selbstreflexion, und dabei geht es - wie eigennützig - nicht darum zu gefallen oder Freude zu bereiten, sondern die Dinge, die einen umtreiben zu benennen und zu verarbeiten, das Unfassbare greifbar machen und auf Papier zu fixieren. Das Prädikat Schönheit verliert an dieser Schwelle seine Wertigkeit und wird ersetzt durch Ehrlichkeit - sich selbst und anderen gegenüber.